Es ist eine ungeheuerliche Geschichte, die still und leise in Deutschland passiert ist und kaum jemand scheint Notiz davon genommen zu haben. Der Stand der Journalisten, eine ungeheuer wichtige Institution in einem demokratischen Staat wird durch einen Skandal erschüttert, der weitreichende Konsequenzen mit sich ziehen könnte. Scheinbar haben über Jahre hinweg bis heute Journalisten den Pressekodex mit Füßen getreten und haben bereitwillig Daten und Informationen an den Bundesnachrichtendienst BND geliefert. Dabei wurden nicht nur Aufträge im Namen des BND durchgeführt. Es wurden Informationen über andere Journalisten gesammelt, Quellen herausgegeben und Interna aus der Arbeit von Redaktionen weitergegeben. Dies beinhaltete auch den sogenannten Quellenverrat – auch von anderen Journalisten. Da wurden Journalisten von ihren eigenen Berufskollegen “verraten” und haben sich für ihre Aussagen sogar bezahlen lassen.
[rss] :: Das dazugehörige Video gibts nur im Blog zu sehen :: [/rss] [rssless] [/rssless]
Interessant: Wenn Politiker bei einem Untersuchungsausschuss unter Beschuss stehen, sind die Besuchertribünen voll von Journalisten. Bei diesem genannten Fall herrschte gähnende Leere. Und auch in den Medien wurde kaum darüber berichtet. Warum ist dies so? Ist der große Teil der Journalisten zu feige sich mit einer Problematik auseinanderzusetzen, die die Glaubwürdigkeit ihres eigenen Berufsstandes massiv gefährden? Oder wird diese Problematik bewusst verschwiegen um dieses wichtige Thema unter den Teppich zu kehren?
Wem die Tragweite dieses Skandals noch nicht klar geworden ist, anbei Auszüge aus dem offiziellen Pressekodex, an den sich jeder Journalist in Deutschland zu halten hat. Dieser Pressekodex ist eine sogenannte Berufsethik. Es ist also nicht strafbar, sich nicht daran zu halten. Allerdings lebt das Vertrauen in die Integrität und Glaubwürdigkeit von Journalisten von dieser Ethik. Und diese ist sehr sinnvoll. So heißt es in Ziffer 5 zum Thema Berufsgeheimnis:
Ziffer 5 – Berufsgeheimnis
Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis.
Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.
Aber auch die unter Ziffer 6 genannte Trennung von Tätigkeiten ist enorm wichtig:
Ziffer 6 – Trennung von Tätigkeiten
Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.
Wer sich den Pressekodex mal genau anschaut wird feststellen, dass auch ohne diesen Skandal Tag für Tag von scheinbar immer den gleichen Publikationen massenweise Verletzungen an diesem Ehrenkodex begangen werden. Da wird eine redaktionelle Berichterstattung mit Werbung vermischt, Namen oder Personen des nichtöffentlichen Lebens trotzdem kenntlich gemacht oder aber falsche Darstellungen von sich aus nicht richtig gestellt. Probleme mit diesem Pressekodex gibt es also schon lange.
Problematisch wird es jedoch tatsächlich, wenn der staatliche Geheimdienst eines Landes wie hier der Bundesnachrichtendienst BND mit einzelnen Journalisten zusammenarbeitet, die bereitwillig interne und brisante Informationen verkaufen oder einfach so zur Verfügung stellen. Gerade weil Journalisten durch ihre zumeist seriöse Tätigkeit Zugang zu Personen und Informationen haben, auf die Polizei oder andere staatliche Organe keinen Zugriff haben, kann dieser Vorfall eine massive Störung des gesamten Berufsstandes mit sich bringen.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass über diesen Fall nicht einfach hinweggesehen wird und sich viele Blogger dem Thema annehmen werden. Dieser Skandal muss in die Öffentlichkeit und muss diskutiert werden. Die ersten Blogger haben sich dieser Thematik schon angenommen. Hoffentlich werden es noch viele mehr.
meetinx ist ein Blog von Alper Iseri. Ich bin Autor, Kommunikationsberater und Unternehmer. Ich lebe und arbeite in der schönen Stadt Hamburg. mehr...
Lust auf eine hochinteressante Seminarreihe zu Onlinemarketing und Social Media? Nur noch wenige Plätze frei. Jetzt informieren...
Am 26. Februar 2009 um 23:08 Uhr
Unabhängigkeit des Journalistenstandes geschädigt…
Wenn ich derzeitig könnte wie ich wollte, würde ich hierzu wirklich nur noch loskotzen.
Zuerst hatte ich bei Lanu davon gelesen, und dann die ZAPP-Reportage dazu gesehen… und dann bei mx weitergelesen.
Um was es geht? Kein Problem, ich sage …
Am 26. Februar 2009 um 23:44 Uhr
[...] spielten gerne das unmoralische, unethische und in meinen Augen falsche Spiel mit. Sehr lesenswert und zusammenfassend ist noch der Artikel von der Sueddeutschen: Dem BND zu [...]
Am 27. Februar 2009 um 13:44 Uhr
[...] “Pressekodex: Journalisten arbeiten heimlich für den BND” (meetinx.de) [...]
Am 27. Februar 2009 um 22:11 Uhr
Und die Zapp Redaktion vergisst nicht zu erwähnen, dass ihr das nicht öffentliche Protokoll des Untersuchungsausschuss vorliegt.
Welche “journalistischen” Methoden wurden da angewendet, um es zu erhalten ?
Zugespielt, gekauft, geklaut, erpresst, von einem Spitzel bekommen ?
Ich weiß es nicht, ich frage nur.
Das ist jetzt irgend wie auch nicht anders, wie das worüber Zapp berichtete.
Am 27. Februar 2009 um 23:24 Uhr
Journalisten haben aufgrund ihrer Arbeit ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Menschen. Wenn ich eine interne Information eines Unternehmens habe z.B. das es seine Mitarbeiter überwacht und es dazu ein internes Schreiben habe, dann möchte ich nicht, dass sich niemand darum kümmert. So ein Schreiben muss an die Öffentlichkeit. Aber ich will nicht, dass jemand weiß, das ich es war, der die Informationen herausgegeben hat. Also gebe ich es einem Journalisten dem ich vertraue. Schließlich möchte ich nicht den Job verlieren.
Das ist jetzt nur ein Beispiel. In diesem Fall hat jemand das nicht öffentliche Protokoll den Journalisten übermittelt, damit sie es der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Geheimnisse, gerade in der Politik, sollte es nie geben.
Gäbe es keine Journalisten, würden etwaige Skandale wie z.B. der Lidl-Überwachungsskandal nicht an die Öffentlichkeit kommen.
Am 28. Februar 2009 um 01:14 Uhr
Jo – für mich besteht da auch ein großer Unterschied, ob einem Journalisten geheime Dokumente zugespielt werden und dieser daraus einen Artikel macht oder ob ein Journalist geheime Informationen an einen Nachrichtendienst weiterleitet.
Ersteres macht seinen Beruf aus, letzteres zerstört seinen Berufsstand.