Nachdem ich mich gestern Abend bewusst vom Rechner ferngehalten habe, ist nun für mich die Zeit gekommen, um ein Resumée zum WordCamp abzugeben. Um es kurz vorwegzunehmen: Es ist sehr positiv. Die Location mit dem JenTower war sehr gut gewählt und die gesamte Veranstaltung war sehr gut organisiert. Eigentlich fehlte es an nichts. Wir hatten Getränke, kleine Snacks zum futtern, bekamen etliche kostenlose Dinge (habe mich am Schluss noch einiges unter den Nagel gerissen *hrhr*) und das Wichtigste: Es war eine ziemlich gute Stimmung. Matt Mullenweg ist ein guter Entertainer. Ich will nicht wissen, wie oft er seine Präsentation schon gemacht hat. Wahrscheinlich so zum 100. Mal. So professionell und gleichzeitig locker kam sie auch rüber. Und mal wieder ist mir aufgefallen, warum es eigentlich immer die Amerikaner sind, die sich bei solchen Themen mit lockeren Klamotten hinstellen und einfach sich selbst darstellen, anstatt wie z.B. die Deutschen mit Krawatte und spießigen Begrifflichkeiten und Synonymen versuchen, ein Produkt besser und größer darzustellen, als es vielleicht ist. Mein späteres Gespräch und Interview mit Matt ging denn auch sehr schnell und gut vorüber. Er hat alle Fragen offen beantwortet und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass er nichts einstudiertes von sich gibt sondern offene Antworten, die das darstellen, was er wirklich denkt.
Die Menge der Teilnehmer war wirklich enorm, wobei es mit rund 220 Teilnehmern schon von der ursprünglich angekündigten Zahl von 300 Personen abgewichen ist. Irgendwie traurig – sind denn auf einmal 80 Leute krank geworden? Sehr viele haben entweder gar nicht oder einen Tag vorher abgesagt. Ziemlich arm wie ich finde. Aber so etwas passiert wohl auch nur dann, wenn ein solches WordCamp kostenlos ist. Wenn es kostenpflichtig gewesen wäre, dann hätten es sich diese Personen sicher dreimal überlegt, ob sie einfach nicht erscheinen. Aber das ist eine Sache, über die sich die Veranstalter Gedanken machen müssen. Ein kleiner Betrag von vielleicht 10 Euro ist meiner Ansicht nach angemessen und das Geld kann man gut für diverse Punkte nutzen. Apropos kostenlos: Natürlich gab es mal wieder einige Schmarotzer die sich beschwert haben, warum es denn kein ordentliches Essen da gegeben hätte. Man hätte sich extra aus dem Turm begeben und draußen was essen müssen. Tja mein Lieber: Wenn etwas kostenlos ist wie diese Veranstaltung, dann ist das wohl einfach so. Ziemlich arme Einstellung. Die Person war übrigens natürlich anonym. Was auch sonst.
Die einzelnen Workshops waren ziemlich interessant, obwohl ich nur zu 2-3 gehen konnte. Musste einige Gespräche führen und meinen Artikel für eine Online-Publikation vorbereiten. Aber die Resonanz der Leute war sehr gut – wir hatten einen tollen Themenmix und alle beteiligten sich gut an den einzelnen Diskussionen. Insgesamt waren eigentlich alle Leute ziemlich locker und offen drauf. Klar, wieder einige Selbstdarsteller dagewesen aber solche Leute gibt es ja überall ;-) Sowohl der erste Freitag-Abend (ich hatte kurz berichtet) als auch der zweite Abend am Samstag war sehr nett und locker. Ich hatte die Gelegenheit, mit vielen Leuten zu sprechen und über dies und das zu diskutieren. Ein sehr kurzweiliges Treffen an beiden Abenden, die sehr schnell vorübergingen. Schade eigentlich – aber was einem Spaß macht, geht halt auch immer schnell vorüber.
Meine eigene Diskussion zum Thema Bloggerverband war ganz gut besucht. Obwohl ich nicht gerade ein Profi in Sachen Vorträge bin (zumindest wenn ich vorne stehe) habe ich versucht, mein Bestes zu geben. Robert Basic hat im Anschluss daran noch einige Punkte gesagt und erörtert, warum er der Ansicht ist, dass diese Idee unterstützt gehört. Eine gute Diskussion kam dann auch in Gang. Einige Leute wie zum Beispiel Thorsten (Link gelöscht da SEO ^^) sind komplett gegen diese Idee eingestellt gewesen und haben auch ihre persönlichen Gründe dazu erläutert. Diese waren für teilweise sogar verständlich. Wer sich einfach nicht für die Rechte der Gemeinschaft bei bestimmten Themen interessiert und nur deswegen bloggt um Geld zu machen, sollte sich wohl auch nicht mit einem solchen Verband beschäftigen. Aber es muss ja auch nicht jeder mitmachen. Welcher Verband hat 100% seiner Berufs- oder Interessensgruppe hinter sich? Bei den Meisten sind es nicht einmal 5% und das muss auch nicht sein. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass man etwas schafft, was Bestand hat. Und genau das werde ich versuchen zu tun. Rund 12 Leute haben mir an dem Tag ihre Unterstützung zugesagt. Ich werde sie wohl die nächsten Wochen nacheinander anrufen und mit ihnen sprechen. Wie ich in den ersten Gesprächen schon herausgehört habe, können alle Leute auf spezielle Erfahrungen und Kenntnisse zurückgreifen. Einige haben schon Vereine gegründet oder sind langjährige aktive Mitglieder. Andere sind im richtigen Leben Juristen oder Programmierer. Und wiederum Andere haben es sogar mal mit einem Verband probiert, sind aber aus den verschiedensten Gründen gescheitert.
Ich weiß nicht, ob dieser Verband letztendlich ein richtig großer Erfolg werden wird – ich bleibe auf jeden Fall dabei und gebe mein Bestes, um ihn weiter voranzubringen. Eine Sache ist mir jedoch auch klar geworden: Ich muss mich aktiv als Rollenverteiler und als Organisator verstehen und diese Rolle gemeinsam mit den Helfern ausüben. Das ich dadurch bei einigen Personen den Eindruck erwecken werde, ich würde mich gerade dadurch in den Vordergrund stellen, ist wohl nicht zu verhindern. Aber damit kann ich leben. Schließlich ist das ja nicht mein erstes Thema, mit dem ich mich professionell beschäftige. Mal schauen, wie es weiter vorangeht.
Am Schluss noch ein großes fettes Danke an die Organisatoren des WordCamps in Jena. Es war fantastisch und ich freue mich darauf, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Vielleicht in Hamburg? :-))
PS: Es gibt bereits einige sehr schöne Berichte und Fotos über und vom Camp. Unter anderem vom Rene, Radio-G (Podcast), Jeriko, Andreas, 3Toastbrot, Thomas und vom Markus.
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Am 16. February 2009 um 10:52 Uhr
Es gibt auch Blogs, die ich nur des Spaßes wegen schreibe, aber auch für die sehe ich keinen wirklichen Grund irgendeinem Verband beizutreten.
Ich habe eher das Gefühl, daß du und Robert Basic sich damit nur in der Öffentlichkeit profilieren wollen.
Am 16. February 2009 um 11:11 Uhr
@Torsten: Wie ich oben schon schrieb. Es muss niemand beitreten, wie das Konstrukt überhaupt genau aussehen wird, ist ja noch nicht mal ganz klar. Wir sind ganz am Anfang und da wird sich sicher noch eine Menge tun.
Bzgl. Profilierung: Das genau dieser Fall eintreten würde, war mir klar. Ich mache dir folgenden Vorschlag: Schau dir an was kommt und urteile erst dann. Nur durch die Tatsache, dass wir versuchen, Leuten zu helfen und in einigen Dingen Punkte zu verbessern sollte nicht heißen, dass wir deswegen unter Profilierungssucht leiden. Es ist schade, dass gerade in Deutschland das Vorpreschen bei einem wichtigen Thema immer gleich als Profilierungssucht gesehen wird.
Am 16. February 2009 um 11:57 Uhr
Moin Alper, leider habe ich es nicht geschafft zu deiner Session. Die Vorsession hat überzogen, und das waren dann 3 Sessions hintereinander, ich brauchte eine pause. Hatte ja mein Interesse am Bloggerverband schon mal kurz mitgeteilt, ist natürlich weiterhin interessant für mich. Hoffe nun mal, das die Session eventuell auf Video erscheint.
Ich glaube übrigens nicht das weder Du noch Robert es nötig hätten sich zu profilieren. Ihr seit Hilfsbereit und offen, so habe ich euch jedenfalls kennengelernt. Sobald ich mehr zum Bloggerverband gehört, gelesen habe, gibts natürlich Feedback!
Am 16. February 2009 um 11:59 Uhr
Was wir aber im Kontext eines Bloggerverbanden (genauer Interessenvertretung von digital publizierenden) nicht vergessen sollten: Ein Faust schlägt sich schneller blutig als tausende. D.h. bis dato werden digital Publizierende eher von den alten Medien als Spinner und Contentklauer betrachtet, die es zu bekämpfen gilt. Ein Verband kann hier sicher einiges an Aufklärungsarbeit intern und extern leisten.
Am 16. February 2009 um 12:20 Uhr
1. Mir geht so ein Verband am Arsch vorbei (sorry, Alper ;-p)
2. Kann ich nicht begreifen, warum sich so viele darüber echauffieren, dass ein solcher ins Leben gerufen werden soll. Ist doch nicht so, dass man zukünftig nur noch Wordpress & co. installieren darf, wenn man Mitglied im Bloggerverband wird. Wer keinen Bock darauf hat, soll’s lassen. Was verschwendet man da seine Energie in sinnlose Kritik? SinnVOLL wäre sie nur, wenn wirklich alle davon betroffen wären. So ist das ein Ding einiger Interessierter, mehr nicht.
Und selbst wenn sich da nur jemand würde profilieren wollen – wen interessiert’s?
Am 16. February 2009 um 13:31 Uhr
@Marja: Fall mir ruhig in den Rücken *haha* Nein im ernst: Ich glaube, du hast die Hintergründe und meine Gedanken dazu einfach falsch interpretiert. So wie wohl die Meisten, die aktuell dagegen sind. Hier geht es nicht um WordPress, hier geht es nicht um Zwangsmitgliedschaft, sondern darum, einige Dinge zu verbessern und Leuten generell zu helfen. Ein Beispiel ist die Abmahnung, die jeden treffen kann. Aber da gibt es genügend Beispiele, die man noch machen kann. Einfach mal abwarten, was noch kommt… :D
Am 16. February 2009 um 13:40 Uhr
Und ich glaube, du hast meinen Kommentar nicht richtig gelesen O_o
Um’s nochmal kurz zusammenzufassen: mir geht der Verband am Soundso vorbei ;) UND ich kann (trotzdem) nicht verstehen, warum so viele Leute auf der Bloggerverbandidee rumhacken. Eben WEIL es doch kein Zwang ist.
Am 16. February 2009 um 13:45 Uhr
Ah…habe das mit dem echauffieren überlesen ;-) Sorry *g*
Am 16. February 2009 um 14:12 Uhr
Wer kann mir bitte, bitte sagen, wie die Frau in dem Clip heißt…?!
Am 16. February 2009 um 14:14 Uhr
@Anni: Welche Frau in welchem Clip?
Am 16. February 2009 um 22:43 Uhr
[...] von Alper Iseri zu seiner Idee eines Verbandes für alle die Online publizieren. Es gab natürlich eine kontroverse [...]
Am 17. February 2009 um 00:13 Uhr
Und die 220 internetaffinen Menschen haben es nicht geschafft, Deinen/die Vorträge als Videos irgendwo online zu stellen?
Am 17. February 2009 um 14:17 Uhr
@Neri: Mein Vortrag wurde aufgezeichnet – ich denke, er wird auch irgendwo online gestellt aber kann noch nicht sagen wo und wann. Sobald ich mehr weiß, gebe ich Bescheid.
Am 17. February 2009 um 18:56 Uhr
[...] aus deiner Session flüchtete. Hochinteressant und beinahe ein Feuer–Wasser-Kampf wurde es bei Alpers Vortrag um den Bloggerverband. Ein kontroverses Thema, das aber nach einer Klärung [...]
Am 17. February 2009 um 23:56 Uhr
[...] Bericht von Alper Iseri (Session Bloggerverband) [...]
Am 27. February 2009 um 02:18 Uhr
[...] ein Bloggerverband sinnvoll oder nicht, wie ließe sich der gründen? Alper Iseri versucht das gerade, beim WordCamp in Jena hatte er eine Session und Gespräche zu dem [...]